Julia Braun – Friedhofsgärtnerin

Julia Braun ist Friedhofsgärtnermeisterin in der Friedhofsgärtnerei Bleckwehl in Schöneck. Ihr Weg in den Gartenbau begann eher zufällig – geblieben ist sie aus Überzeugung. Heute verbindet sie ihre Leidenschaft für Pflanzen mit einem besonderen Anliegen: Sie möchte den Friedhof als lebendigen Ort sichtbar machen. Dafür hat sie sogar einen eigenen Podcast gestartet.

Vom Zufall zur Berufung

Eigentlich hatte Julia ganz andere Pläne. Eine Ausbildung im Einzelhandel stand im Raum, doch dazu kam es nie. Stattdessen probierte sie sich durch verschiedene Aushilfsjobs, bis sie auf eine Stellenanzeige für eine Ausbildung zur Floristin stieß. „Na gut, probieren wir es mal aus“, dachte sie sich damals. Beim Bewerbungsgespräch stellte sich heraus: Es ging gar nicht um Floristik, sondern um eine Ausbildung zur Friedhofsgärtnerin. Also wieder: ausprobieren.
Und dieses Mal passte es. Julia bestand ihre Ausbildung, wechselte den Betrieb, entwickelte sich weiter und absolvierte schließlich ihren Meister. Heute ist sie wieder in ihrem Ausbildungsbetrieb tätig – als Meisterin.
Für Julia ist der Beruf unglaublich vielseitig: Von Baumaschinen bis zu filigranen Pflanzarbeiten ist alles dabei. Friedhofsgärtner kümmern sich nicht nur um Gräber – sondern um kleine Gärten in einem großen Garten.
Und manchmal reicht ein Besuch eines Angehörigen, um zu sehen, wie viel die eigene Arbeit bewirken kann. „Was kann es Schöneres geben, als jemandem mit seiner Arbeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern?“
Denn Friedhofsgärtner sind für sie viel mehr als nur Pflanzenexperten: Seelsorger, Gestalter, Handwerker, Zuhörer und Zukunftsdenker.

Begeisterung für Stauden und neue Perspektiven

Schon kurz nach ihrer Ausbildung entdeckte Julia ihre besondere Leidenschaft: Stauden. Sie faszinierte, wie vielseitig sie eingesetzt werden können und wie sie die Arbeit erleichtern, wenn man sie richtig nutzt.
Mit Unterstützung ihres damaligen Ausbilders wagte sie den nächsten Schritt und machte ihren Meister – inklusive einer Hausarbeit über Stauden, die zu ihrem Herzensprojekt wurde.
Bis heute bildet sie sich stetig weiter und bleibt neugierig. Besonders wichtig ist ihr dabei der Friedhof als Ort mit Potenzial:
„Viele Menschen sehen nur die Trauer. Aber der Friedhof kann so viel mehr sein – ein Ort der Ruhe, der Begegnung und der Natur.“

Ein Podcast für neue Einblicke

Aus dieser Überzeugung heraus entstand eine besondere Idee: Julia startete ihren eigenen Podcast. Ihr Ziel war es zunächst ganz bescheiden – selbst wenn nur fünf Menschen zuhören, wollte sie diesen den Friedhof näherbringen.
Inzwischen sind es deutlich mehr.
In ihrem Podcast spricht sie über den Alltag in der Friedhofsgärtnerei, über Pflanzenwissen, verschiedene Handwerksberufe, führt Interviews und teilt ihre Erfahrungen. Mal ruhig und nachdenklich, mal laut und fröhlich – genau wie der Friedhof selbst.

Blick in die Zukunft

Was die Zukunft bringt, lässt Julia bewusst offen. Ein großes Ziel hat sie aber: die mögliche Übernahme des Betriebs. Denn dieser ist für Julia ganz besonders: mit starkem Zusammenhalt. „Wir sind ein kleiner Betrieb, der auf seine Mitarbeiter aufpasst. Wir sind wie eine Familie.“ Das bedeutet auch mal Überstunden – aber eben auch gemeinsames Grillen am Nachmittag, viel Lachen und gegenseitige Unterstützung. Im Team wird gefördert, gelernt und zusammengehalten. Und Geburtstage ohne Kuchen? Undenkbar.
Bis Julia die Friedhofsgärtnerei übernimmt, möchte sie weiterhin Menschen erreichen, ihr Wissen vertiefen und aktiv an der Zukunft der Friedhöfe mitwirken. Und vielleicht auch lernen, nicht noch mehr Stauden zu sammeln – denn der Platz auf ihrem Balkon ist begrenzt.

Drei Worte für den Beruf: Intensiv – Horizonterweiternd – Dreckig
(Foto: © Julia Braun)

Diese Inhalte könnten Dich auch interessieren: